Beschwerden, Krankheitszeichen

Die Beschwerden der rheumatoiden Arthritis sind auf die Entzündungen in den jeweilig betroffenen Geweben zurückzuführen.

Die Entzündung bei der rheumatoiden Arthritis
Bei der rheumatoiden Arthritis entwickelt sich normalerweise zuerst eine Entzündung (deren Auslöser und auch deren Aufrechterhalter bisher unbekannt sind) innerhalb des Gelenkes (Gelenkmembran). Sogenannte weisse Blutkörperchen (verschiedenartige Zellen) sammeln sich nun bei dieser Entzündung und eine Sorte dieser Zellen, die Makrophagen werden zur Produktion von Botenstoffen angeregt, welche weitere Entzündungszellen heranlocken und anregen. Ein Teil dieser Botenstoffe regen nun ausserdem die Zellen gewisser Strukturen im Gelenk (Gelenkmembran, Knorpel) auch zur Bildung von sogenannten Enzymen an, welche die angrenzenden Gewebe und damit das Gelenk schädigen können. Nach einer gewissen Zeit werden aber von den weissen Blutkörperchen auch schützende Substanzen gebildet, welche diese schädigenden Enzyme hemmen. Bleibt die Entzündung dennoch bestehen, liegt dies daran, dass die schädigenden Enzyme die schützenden Substanzen überwiegen. Dies führt letztendlich auch dazu, dass vermehrt weitere Strukturen des Gelenkes geschädigt werden. Durch die Entzündung schwillt die Gelenksmembran zudem rasch an, was zu einer Erweiterung und vermehrten Durchlässigkeit ihrer Blutgefässe, durch die Vergrösserung bei der Schwellung, führt. Dies ermöglicht das vermehrte Einwandern und Einströmen von Zellen und Flüssigkeit aus dem Blut, was die Schwellung weiter vergrössert. Später bildet sich dann in den angeschwollenen Gelenksstrukturen (Gelenksmembran) auch Bindegewebe als Ausdruck des Reparationsvorganges, welcher immer auf eine Entzündung folgt. Daraus resultieren nun Schädigungen der Gelenksstrukturen.

Ähnlich aufgebaut wie die Gelenksmembran ist auch das Gewebe, welches die Sehnenscheiden und die Schleimbeutel auskleidet. Die Sehnenscheiden bilden eine Hülle um die Sehnen und erleichtern diesen dadurch das Gleiten in ihrem Kanal oder um Knochenvorsprünge. Schleimbeutel sind meist vor Knochenvorsprüngen lokalisiert und haben Gleit- und Pufferfunktion. Auch die Sehnenscheiden und Schleimbeutel nehmen daher an der Entzündung der rheumatoiden Arthritis teil. Dadurch können die Sehnen und auch die benachbarten Bänder geschädigt oder sogar zerstört werden, vor allem wenn die Entzündung stark und lang anhaltend ist.

Konkrete Erscheinungen der Entzündungen
Wie bereits erwähnt entsteht bei der Entzündung eine Schwellung. Dies führt dazu, dass sich das geschwollene Gelenk überwärmt und schmerzhaft anfühlt. Manchmal ist es auch gerötet (Gefässe erweitern sich). Diese Erscheinungen führen zu einer gestörte Funktion der Gelenke.

Fast immer besteht nebst Schwellung und Schmerzen eine Morgensteifigkeit: die Betroffenen haben Mühe, sich nach einer Ruheperiode (z.B. Schlaf) wieder zu bewegen, und dieses Bewegen ist oft mit vermehrten Gelenkschmerzen verbunden. Eine gewisse Zeit nach der Wiederaufnahme der körperlichen Aktivität, z.B. nach einer Stunde, wird das Durchbewegen wieder leichter und die Schmerzen geringer.

Während der aktiven Entzündung können ins Blut freigesetzte Entzündungsfaktoren auch Allgemeinsymptome, wie Temperaturerhöhung, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und eventuell Fieber verursachen. Einer der wichtigsten dieser Entzündungsfaktoren ist der sogenannte Tumornekrosefaktor alpha (TNF alpha) gegen welchen die erst seit kurzem zur Verfügung stehenden TNF-Blocker, wie z.B. Enbrel und Remicade gerichtet sind.

Weitere Erscheinungen: Hält die Entzündung nun länger an, kann eine Verdünnung des Knorpels erfolgen und es kann zu Schädigungen und Entkalkungen der gelenksnahen Knochenanteile kommen. Falls eine Verdünnung des Gelenkknorpels aufgetreten ist, kann sich daraus eine sekundäre Arthrose entwickeln. Diese kann sich auch noch entwickeln, wenn die zugrundeliegende Entzündung bereits abgeklungen ist. Die Entzündung in den Sehnenscheiden und den Schleimbeuteln kann die Bänder und die Sehnen zerstören.

Die Arthrose führt unabhängig von der zugrundeliegenden Entzündung ebenfalls zu Schmerzen, die vor allem bei Belastung auftreten. Durch die Zerstörung der Bänder, Sehnen und Knochen kann es zu Achsenabweichungen und anderen Gelenkdeformationen kommen. Dadurch treten Schmerzen von mechanischem Charakter auf, d.h. Schmerzen, welche beim Gebrauch der Gelenke auftreten. Diese durch die sekundäre Arthrose bedingten Schmerzen dauern fort, auch wenn die primäre Gelenksentzündung gut kontrolliert oder ganz verschwunden ist.

Bei etwa einem Viertel der Patienten mit rheumatoider Arthritis entwickeln sich zudem Rheumaknoten. Diese befinden sich im Unterhautgewebe, meistens über Sehnen oder Knochenvorsprüngen. Über die Ursache ihres Entstehens ist nur wenig bekannt, sehr wahrscheinlich spielt jedoch ein mechanischer Faktor (Druck) eine Rolle. Rheumaknoten entstehen vor allem bei jenen Patienten, bei welchen sich im Blut Rheumafaktoren (= Faktoren, die typisch für Rheumaerkrankungen sind, und sich häufig im Blut nachweisen lassen).

Besonders nach einem schon langen Krankheitsverlauf kann plötzlich eine Gefässentzündung (Vaskulitis) auftreten. Am häufigsten sind dabei die kleinen Gefässe der Haut betroffen. Es sind dann zum Beispiel an den Fingerkuppen und um die Fingernägel kleine rote Flecken zu erkennen. Diese können durch das Absterben des Hautgewebes später schwärzlich werden und heilen schliesslich unter Narbenbildung ab. Diese meist punktförmigen Hautveränderungen kommen durch entzündungsbedingte Verschlüsse kleiner Gefässe zustande. Gelegentlich sind auch die kleinen Gefässe von Nerven betroffen. Dadurch kann es plötzlich zu Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen kommen. Glücklicherweise sind solche sich in Haut und Nerven abspielende Gefässentzündungen aber selten.

Beim Anschwellen von Gelenken oder Sehnenscheiden kann es durch Druck auf benachbarte Nerven zu Taubheitsgefühl und Lähmungserscheinungen kommen. Am häufigsten ist dabei das Karpaltunnelsyndrom. Dieses kommt durch die Gelenks- und Sehnenscheidenentzündungen im Handgelenk zustande, wo der Nerv (Nervus medianus) durch einen Tunnel aus Knochen und Bindegewebe zur Handfläche ziehen muss. Der Druck auf diesen Nerv verursacht zuerst ein zeitweiliges Kribbeln und Taubheitsgefühl der ersten vier Finger (Daumen bis Ringfinger) besonders während der Nacht. Bei länger anhaltendem Druck wird der Nerv irreversibel geschädigt, so dass dann eine dauernde Taubheit der Fingerbeugeseiten und auch eine Lähmung und Schrumpfung der Daumenballenmuskulatur auftritt.

Gelegentlich tritt auch eine Brustfellentzündung (Pleuritis) oder Herzbeutelentzündung (Perikarditis) auf. Wir möchten jedoch nochmals darauf hinweisen, dass der Verlauf und somit auch die Symptome von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sind.

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