2010 Klassifikationskriterien für die rheumatoide Arthritis
Die Kriterien sind anzuwenden in folgender Patientensituation: mind. ein synovitisch geschwollenes Gelenk; andere Gründe für die Synovitis sind aufgrund zusätzlicher Untersuchungen ausgeschlossen.
Kriterienset:
Klassifikationskriterien für RA (Algorithmus: Summe der Werte der Kategorien A-D; ein Wert von ≥ 6/10 ist nötig zur definitiven Diagnose einer RA):
A Gelenksbeteiligung
| 1 grosses Gelenk |
0 |
| 2-10 grosse Gelenke |
1 |
| 1-3 kleine Gelenke (mit oder ohne Beteiligung von grossen Gelenken) |
2 |
| 4-10 kleine Gelenke (mit oder ohne Beteiligung von grossen Gelenken) |
3 |
| > 10 Gelenke (mind. 1 kleines Gelenk) |
5 |
B Serologie (mind. 1 Testresultat ist für die Klassifikation nötig)
| negativer Rheumafaktor und negative Anti-CCP-Antikörper |
0 |
| leicht-positiver Rheumafaktor oder leicht-positive Anti-CCP-Antikörper |
2 |
| hoch-positiver Rheumafaktor oder hoch-positive Anti-CCP-Antikörper |
3 |
C Entzündungsfaktoren (mind. 1 Testresultat ist für die Klassifikation nötig)
| normales CRP und normale BSR |
0 |
| abnormales CRP oder abnormale BSR |
1 |
D Dauer der Symptome
| < 6 Wochen |
0 |
| ≥ 6 Wochen |
1 |
|
Ziel dieser neuen Kriterien ist die Früherfassung einer rheumatoiden Arthritis. Die früheren aus dem Jahre 1987 stammenden Kriterien charakterisierten Patienten mit fortgeschrittener rheumatoider Arthritis. Damit eine Frühbehandlung und entsprechend ein Erfolg der Behandlung erzielt werden kann, ist es wichtig, die Patienten so früh wie möglich, vorzugsweise bereits innerhalb der ersten 3 Monate der Erkrankung, einer effizienten Therapie zuzuführen. Genau dies ist das Ziel der neuen Kriterien.
Die Kriterien entstanden durch Mehrfachanalysen sowie Konsensusrotationen unter Experten.
Da die rheumatoide Arthritis nach wie vor Krankheitsbilder mit unterschiedlichster Präsentation umfasst, ist das Kriterienset auch entsprechend komplex. Obwohl Fortschritte gemacht wurden (z.B. Beschreibung der Anti-CCP-Antikörper), braucht es mehrere Charakteristika, um das Krankheitsbild beim einzelnen Patienten als solches zu definieren.
Die Klassifikation erfordert kumulativ aus den Kriterien A-D einen Gesamtscore von mind. 6 Punkten (von insgesamt 10 möglichen), damit ein Patient als definitive rheumatoide Arthritis klassiert werden kann. Nach wie vor heissen die Kriterien Klassifikationskriterien, da sie die entsprechenden Patienten von anderen Krankheiten trennen und dadurch klassieren.
Für die Praxis ist dies mit Sicherheit ein Fortschritt, insbesondere in der Früherkennung einer rheumatoiden Arthritis. Auch wenn mit diesen Kriterien keine absolute Sicherheit in jedem Fall gewonnen wird, erlaubt es doch, die meisten Patienten, welche ohne oder mit verspäteter Behandlung an späten Komplikationen einer rheumatoiden Arthritis erkranken würden, frühzeitig zu behandeln.
Ein paar Definitionen sind wichtig:
Gelenksbefall: Schwellung oder Druckdolenz eines Gelenks.
Grosse Gelenke: dazu zählen Schultern, Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenke.
Kleine Gelenke: dazu zählen die Fingergrundgelenke, die Fingermittelgelenke, die Zehengrundgelenke II-V, die Interphalangealgelenke der Daumen sowie die Handgelenke.
Tief-positiver Wert (Rheumafaktor oder Anti-CCP-Antikörper): über Norm, aber < 3-fache obere Norm.
Hoher positiver Wert: mehr als 3-fache obere Norm.
Abnormale Entzündungsfaktoren (CRP bzw. BSR): Entsprechend den Laborrichtwerten.
Bevor die Kriterien zur Anwendung kommen, muss u.a. ein weitgehender Ausschluss anderer Gelenkserkrankungen erfolgen. Dafür liefern die Autoren keine Hilfsliste. Vielmehr vertrauen sie auf die Expertise des Arztes, aufgrund der Situation zu entscheiden, welche Arthritiden ausgeschlossen werden müssen. Nach wie vor wird es deshalb Sache des Rheumatologen sein, eine rheumatoide Arthritis-Diagnose zu stellen bzw. zu bestätigen.
Wie hilfreich diese neuen Kriterien sind, wird die Anwendung in der Praxis zeigen. Viel Glück!
B. A. Michel, Zürich
Referenzen:
Aletaha D et al. 2010 Rheumatoid Arthritis Classification Criteria. An American College of Rheumatology/European League Against Rheumatism Collaborative Initiative. Arthritis Rheum 2010; 62: 2569-81. (DOI 10.1002/art.27584)
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