Combination Antibiotics as a Treatment for Chronic Chlamy-dia-Induced Reactive Arthritis. A Double-Blind, Placebo-Controlled, Prospective Trial
Carter JD et al. Arthritis & Rheumatism; Vol. 62: Nr. 5; 1298-1307; DOI 10.1002/art.27394:
Hintergrund
Durch Chlamydia trachomatis und Chlamydia pneumoniae kann eine reak-tive Arthritis ausgelöst werden, wobei die Mikroben im Synovium per-sistieren können. Diese Studie untersuchte die Frage, ob eine sechs-monatige Kombinationsantibiotika-Therapie eine erfolgreiche Behand-lung für diese Arthritis darstellt.
Methodik
Prospektive doppel-blinde dreiarmige Studie bei Patienten mit chro-nischer reaktiver Arthritis, bei welcher mittels PCR als Ursache C trachomatis oder C pneumoniae identifiziert werden konnte. Drei Gruppen: 1) Doxycyclin und Rifampicin plus Plazebo, 2) Azythromycin und Rifampicin plus Plazebo, 3) Plazebos für alle drei Antibiotika. Primärer Outcome-Parameter war eine Verbesserung von 20% oder mehr in mindestens 4 von 6 Variabeln (Gelenkschwellungen, druckdolente Gelenke, Morgensteifigkeit lumbal, lumbaler Schmerz, Gelenkschmerz sowie Einschätzung der globalen Krankheitsaktivität).
Resultate
63% der Patienten unter Antibiotika erreichten den primären Endpunkt (17 von 27 Patienten), dies in Kontrast zu nur 20% unter Plazebo (3 von 15 Patienten). Nach 6 Monaten wurden signifikant mehr Patienten PCR-negativ (C trachomatis oder pneumoniae).
Schlussfolgerung
Die Studienresultate legen nahe, dass eine Kombinationsantibiotika-Therapie über 6 Monate eine wirksame Behandlung für die chronische Chlamydien induzierte reaktive Arthritis darstellt.
Kommentar
Das Resultat dieser Studie ist umso bemerkenswerter, als der Durch-schnitt der Vorerkrankung über 10 Jahre betrug. Diese Tatsache macht es denn auch unwahrscheinlich, dass Spontanheilungen während der Studienphase auftraten. Frühere Studien zeigten eine Wirkung bei akuter reaktiver Arthritis oder waren nicht geblindet. Dies ist die erste verblindete Studie bei chronischer Chlamyidien induzierter re-aktiver Arthritis. Bezüglich Notwendigkeit einer Kombinations-antibiotischen Therapie bei chronischen Infekten verweisen die Auto-ren auf die Analogie der Tuberkulose sowie der Infektion mit Helico-bacter pylori.
In den drei Monaten der Beobachtung nach Stopp der antibiotischen Therapie erfolgte bei keinem Patienten eine Verschlechterung.
Offen bleibt die Frage, welche Antibiotika in Kombination wirklich helfen. Die Tatsache, dass nicht alle Patienten remittierten, lässt die Frage nach der Dauer der Therapie offen (wäre eine Einjahresthe-rapie besser?). Die Autoren favorisieren die Kombination von Azy-thromycin und Rifampicin, da in dieser Gruppe am meisten Remissionen auftraten.
Ein Nebenbefund der Studie zeigte, dass Serologien nicht brauchbar sind. Die Autoren untersuchten sowohl das Blut wie synoviales Gewebe mittels PCR.
Weitere Studien müssen zeigen, inwieweit es sich lohnt die Diagno-stik bezüglich Mikroben auf alle Spondarthropathien auszuweiten und allenfalls auch solche positive Patienten entsprechend zu behandeln.
Beat A. Michel, Zürich