The Effect of Alcohol on Radiographic Progression in Rheuma-toid Arthritis
Nissen MJ et al. Arthritis & Rheum; Vol. 62: Nr. 5; 1265-1272; DOI 10.1002/art.27388:
Hintergrund
In dieser Studie wurde gezeigt, dass Alkohol das Risiko für RA ver-kleinert und auch die erosive Entwicklung der Arthritis abschwächt. Die vorliegende Studie wollte untersuchen, ob Alkohol auf die Pro-gredienz des radiologisch erkennbaren Schadens bei RA-Patienten ei-nen Einfluss hat.
Methodik
Einschluss aller Patienten im SCQM-Register für rheumatoide Arthri-tis, welche wenigstens zwei sequentielle Röntgenbilder hatten. Er-fasst wurden die Erosionen in 38 Gelenken von Händen und Füssen.
Resultate
Eingeschlossen wurden 2908 Patienten, welche im Durchschnitt vier aufeinanderfolgende Röntgenbilder hatten (mittlere Beobachtungsdauer 3.9 Jahre). Gefunden wurde ein Trend einer geminderten Progression radiologisch in Alkoholtrinker gegenüber Abstinenten mit einer Pro-gressionsrate von 0.99% in ersterer gegenüber 1.13% in letzterer Gruppe nach 1 Jahr. Demgegenüber zeigten starke Alkoholkonsumenten einen schlechteren Verlauf. Die Analyse separat nach Geschlecht zeigte eine deutlich eingeschränkte Progression bei männlichen Alko-holkonsumenten gegenüber Nichttrinkern (0.86% gegenüber 1.35%), was bei den Frauen nicht der Fall war.
Schlussfolgerung
Bei Konsumenten von mässigen Mengen Alkohol fand sich in dieser Stu-die ein Trend für eine geminderte Progression radiographisch im Ver-gleich zu Nichttrinkern. Dies war insbesondere für die männlichen Patienten der Fall.
Kommentar
Sehr interessante Studie, welche nahe legt, dass auch „diätetische“ Faktoren eine Rolle spielen könnten im Verlauf der RA, indem mässige Mengen Alkohol die Progredienz zu verlangsamen scheinen. Ob dies mit einer Zunahme der Immunsuppression, insbesondere bei Männern, in Zu-sammenhang steht, muss offen bleiben. Immerhin gibt es diesbezügli-che Befunde, nicht zuletzt auch im Tierexperiment. Die Tatsache, dass dieser Unterschied bei Frauen nicht signifikant war, kann nicht erklärt werden. Ebenso wenig gibt es eine Erklärung dafür, dass Kon-sumenten grosser Mengen Alkohol einen schlechten radiologischen Ver-lauf zeigen. Diese Schweizer Studie ist interessant, indem sie neue Hypothesen generiert, welche untersucht werden müssen. Bevor dies aber der Fall ist, ist wohl die Empfehlung einer zusätzlichen Basis-therapie in Form von wenig Alkohol verfrüht.
Beat A. Michel, Zürich