Savarino E, Bazzica M, Zentilin P, Pohl D, Parodi A, Cittadini G, Negrini S, Indiveri F, Tutuian R, Savarino V, Ghio M
Am J Respir Crit Care Med 2009, 179:408-13
Hintergrund
Die Lungenfibrose ist bei Patienten mit systemischer Sklerose (SSc) mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität verbunden. Die Mechanismen der Entstehung interstitieller Lungenerkrankungen sind allerdings nur unzureichend bekannt. Wiederholte Aspiration auch kleiner Mengen Mageninhalt kann langfristig zu einer Lungenfibrose führen.
Ziel
Charakterisierung des gastroösophagealen Reflux (GER) bei Patienten mit SSc in Abhängigkeit vom Nachweis einer interstitiellen Lungenfibrose.
Methode
Prospektive Studie mit 40 SSc-Patienten, bei denen ein hochauflösendes Computertomogramm (HRCT) der Lunge und eine 24-h Impedanz-pH-Metrie durchgeführt wurde. Diese Methode erlaubt eine Unterscheidung zwischen sauerem Reflux (pH < 4) und nicht saurem Reflux (pH > 4) sowie die Bestimmung der proximalen Migration des Refluxes.
Resultate
Eine Lungenfibrose war mittels HRCT bei 18/40 Patienten (45%) nachweisbar. SSc-Patienten mit Lungenfibrose hatten im Vergleich zu SSc-Patienten ohne Lungenfibrose eine signifikant höhere ösophageale Säureexposition, eine höhere Anzahl von sauren und nicht-sauren Refluxepisoden und eine höhere Anzahl von Refluxepisoden, die den proximalen Oesophagus erreichten. Die HRCT-Scores für Lungenfibrose korrelierten sehr gut mit der Anzahl der Refluxepisoden im proximalen (r2 = 0,637) und distalen (r2 = 0,644) Oesophagus.
Schlussfolgerung
Patienten mit SSc und Lungenfibrose haben häufiger gastroösophageale Refluxepisoden und die Refluxepisoden erreichen häufiger den proximalen Oesophagus.
Kommentar
Die Studie impliziert, dass Patienten mit Refluxerkrankung häufiger eine Lungenfibrose entwickeln, und dass dies mit einer konsequenten Behandlung des gastroösophagealen Refluxes reduziert werden kann. Neu ist an der Studie insbesondere, dass auch der Reflux von nicht-saurem Mageninhalt mit Lungenfibrose assoziiert ist. Dies hat praktische Konsequenzen, da eine Behandlung mit Protonenpumpeninhibitoren den Reflux von alkalischem Mageninhalt nicht reduziert, und somit unter Umständen regelhaft auch andere Therapeutika wie Prokinetika ergänzt werden müssen. Allerdings kann die Studie nicht einen kausalen Zusammenhang zwischen Reflux und der Entstehung von Lungenfibrose beweisen. Zudem wurde nicht überprüft, ob eine Therapie des Refluxes wirklich die Entstehung oder die Progredienz von Lungenfibrose aufhalten kann. Dies muss in größeren prospektiven Studien untersucht werden.
Oliver Distler