Lupus erythematosus and other autoimmune diseases related to statin therapy: a systematic review. Noël B. JEADV 2007; 21: 17-24.
Hintergrund: Wiederholt wurden Statine mit Auftreten von Autoimmunphänomenen inkl. Lupus Erythematosus in Zusammenhang gebracht.
Ziel der Studie: Evaluation der klinischen und biologischen Charakteristika bei Statin-induzierten Autoimmunreaktionen.
Methodik: Systematische Review anhand von Medline betreffend Fallbeschreibungen von Statin-induzierten Autoimmunphänomenen.
Resultate: 28 Fälle von Statin-induzierten Autoimmunerkrankungen wurden bisher veröffentlicht. In 10 Fällen betraf dies den Systemischen Lupus Erythematosus, in 3 Fällen den subakuten kutanen LE, in 14 Fällen Dermato- bzw. Polymyositis sowie in 1 Fall den Lichen planus pemphigoides. Bei 2 Lupus-Patienten trat eine Autoimmun-Hepatitis auf. Expositionsdauer vor Krankheitsausbruch betrug durchschnittlich 12,8 Monate (1 Monat bis 6 Jahre). Die Mehrheit der Patienten erforderten eine immunsuppressive Therapie. Bei 2 Patienten verlief die Krankheit letal trotz agressiver Immunsuppression.
Konklusion der Autoren: Längere Einnahme von Statinen kann mit dem Auftreten von Medikamenten-induziertem Lupus und anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert sein. Letale Ausgänge sind möglich.
Fazit: Die Einnahme von Statinen ist weltweit weit verbreitet. Die Schätzung der Zahl der Patienten, welche Statine einnehmen, wird weltweit auf etwa 25 Mio. geschätzt. Das Auftreten von Autoimmunerkrankungen unter Statinen stellt in dieser Grössenordnung eine Rarität dar. Praktisch alle verfügbaren Statine wurden mit Autoimmunphänomenen bereits in Zusammenhang gebracht.
Viele Fragen bleiben offen: Besteht tatsächlich ein Trigger-Effekt oder sogar ein kausaler Effekt bezüglich Statinen. Die Literatur zeigt, dass nach Absetzen von Statinen die Erholung sehr langsam stattfindet. Antikörper können auch lange nach klinischer Ausheilung noch persistieren. Reexpositionen wurden bisher nicht beschrieben. Andererseits ist bekannt, dass Statine bei verschiedenen Krankheiten durchaus günstig wirken können (Asthma, MS, RA). Die Frage einer Assoziation muss wohl offen bleiben; die Untersuchung zeigt indes, dass auch seltene Nebenwirkungen durchaus möglich sind, in der Regel aber erst spät nach Einführung von Medikamenten auf dem Markt zum Vorschein kommen.
B. A. Michel