Neue Studien

Paracetamol - Erhöhtes Risiko für Asthma und COPD?

The association of acetaminophen, aspirin and ibuprofen with respiratory disease and lung function

McKeever TM, Lewis SA, Smit HA, et al. Am J Respir Crit Care Med 2005; 171: 966-71

Hintergrund: Stimuliert durch die Coxib-Kontroverse werden auch andere Analgetika bezüglich ihrer Nebenwirkungen heute besser durchleuchtet.

Methodik: Die 3. National Health and Nutritional Examination Survey (NHANES III) diente als Basis zur Evaluation der Schmerzmittel bei insgesamt 13’492 Personen. Analyse mit logistischer Regression.

Resultate: Zwischen der Einnahme von Acetaminophen (Paracetamol) und Asthma besteht ein Risiko (odds ratio) von 1,2 (95% confidence interval 1,12 - 1,28). Für eine chronische obstruktive Pneumopathie (COPD) wurde ein Risiko von 1,16 (95% confidence interval 1,09 - 1,24) gefunden. Ebenso zeigte sich eine nicht lineare Assoziation zwischen Paracetamol-Einnahme und Lungenfunktion: Der Funktionsparameter FEV1 war tiefer als bei Personen, die kein Paracetamol einnahmen.

Die Risikozahlen für die Vergleichssubstanzen Aspirin und Ibuprofen betrugen weniger, der Zusammenhang war nicht signifikant für Asthma wie auch für chronisch obstruktive Pneumopathie.

Konklusion: Wie früher bereits berichtet besteht ein Zusammenhang zwischen Paracetamol und Asthma. Dass unter Paracetamol auch eine chronisch obstruktive Pneumopathie sowie auch eine erniedrigte Lungenfunktion resultiert, ist ein Neubefund.

Kommentar: Hier handelt es sich um eine retrospektive Analyse, nicht etwa um eine randomisierte Studie. Das heisst, zahlreiche verfälschende Faktoren könnten einen Einfluss auf das Resultat nehmen. Beispielsweise könnten Personen mit chronischen Rückenschmerzen Paracetamol anderen Medikamenten vorziehen; andererseits sind chronische Rückenschmerzen korreliert mit Rauchen und dies wiederum mit einer chronisch obstruktiven Pneumopathie. Für eine epidemiologische Studie ist ein Risiko (odds ratio) von 1,2 eher als gering einzustufen.

Trotzdem: Eine randomisierte kontrollierte Studie zur Prüfung des Effektes von Paracetamol auf die Lungenfunktion im Vergleich mit traditionellen NSAR und Placebo wäre begrüssenswert. Sicher sollte aufgrund dieses Resultates nicht der jetzige Umgang mit Paracetamol geändert werden. Vielmehr gilt es, im Rahmen der Neuerkenntnisse die individuelle Therapie entsprechend vorsichtig zu verordnen.

B. A. Michel

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