Gottenberg J.-E. et al. Risk Factors for Severe Infections in Patients With Rheumatoid Arthritis Treated With Rituximab in the AutoImmunity and Rituximab Registry. Arthritis & Rheum; Vol 62. No.9, 2010, pp 2625-2632, DOI 10.1002/art.27555
Studienziel
In kontrollierten Studien über relativ kurze Zeit schien das Risiko für schwere Infekte bei RA-Patienten unter Rituximab nicht erhöht zu sein. Allerdings braucht es längere Zeitperioden um dies zuverlässig abzuschätzen. Aus diesem Grunde wurde die vorliegende Studie durchgeführt.
Methodik
Die Untersuchung basiert auf dem AIR-Register (AutoImmunity and Rituximab), einer Datenbank der französischen Rheumatologengesellschaft. Die Unterlagen der Patienten mit schweren Infekten wurden evaluiert.
Resultate
1303 Patienten wurden eingeschlossen und wiesen im Schnitt eine Beobachtungsdauer nach Rituximab von 1,2 Jahren (entsprechend 1629 Patientenjahre) auf. 82 schwere Infekte traten bei 78 Patienten insgesamt auf (entsprechend 5 schwere Infektionen pro 100 Patientenjahre). Die Hälfte davon manifestierte sich während den ersten 3 Monaten nach Rituximab-Infusion. Assoziationen mit einem erhöhten Infektrisiko fanden sich für chronische Lungenerkrankung und/oder Herzinsuffizienz, extraartikuläre Manifestationen der RA sowie einem tiefen IgG-Titer vor der Behandlung mit Rituximab. Das relative Risiko (odds ratio) dieser Faktoren lag zwischen 2,9 und 4,9.
Conclusion
Die Häufigkeit von schweren Infekten zeigte sich aufgrund dieser Registerdaten in der klinischen Praxis als ganz ähnlich mit jener in den Clinical Trials. Das höchste Risiko wurde für einen tiefen IgG-Titer gefunden. Dies legt nahe und wird von den Autoren auch so empfohlen, IgG vor einer Rituximab-Therapie zu bestimmen und das Risiko-Nutzenverhältnis vor Therapieentscheidung abzuschätzen.
Bemerkung
Diese Registerdaten sind insofern sehr wichtig, dass sie kein erhöhtes Risiko für schwere Infekte auch bei längerer Beobachtungszeit und vor allem bei Patienten aus der klinischen Praxis aufzeigen. Dies ist ein sehr beruhigendes Resultat. Wichtig erscheint der Hinweis, dass tiefe IgG-Titer das Risiko für eine schwere Infektion deutlich erhöhen können und deshalb vor einer Therapie bestimmt werden sollten. Ein absoluter Titerwert für IgG zur Erleichterung einer Therapie-Entscheidung wird nicht angegeben. Das Nutzen-Risikoverhältnis sollte deshalb individuell bestimmt werden.
Unter den Infektursachen fanden sich die üblichen Infektcharakteristika, wobei nur eine opportunistische Infektion (septische Pilzarthritis) auftrat, während keine Tuberkulose neu auftrat bzw. reaktiviert wurde.
Beat A. Michel, Zürich